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Scrum vs. Firma - Teil 1

Auf der einen Seite erklären die Trainer, wie Scrum geht. Auf der anderen Seite fragen sich Projektteams in großen Organisationen, wie sie Scrum anwenden sollen, wenn die Umgebung darauf gar nicht eingestellt ist. Die Themen sind immer wieder dieselben.

Thema Nummer 1: Als Scrum-Team wollen wir unabhängig und zielorientiert arbeiten, aber die disziplinarische Führungskraft mischt sich in alles ein. Das können Vorgaben über Dokumentablage, zu nutzender Werkzeuge und Software, aber auch Einmischung in die Priorisierung oder Umsetzungsweise von Aufgaben sein.

Das heißt Micromanagement. Die Reaktion bei solchen Tendenzen sollte pragmatisch geprägt sein. Es gibt 2 Möglichkeiten: Entweder ist die Führungskraft Teil des Scrum-Teams, oder sie ist es nicht**. Falls das unklar ist, sollte das klargestellt werden.

Ist sie Teil vom Team: Im Scrum-Team gibt es keine Hierarchie. Es ist die Verantwortung der Führungskraft, für die Arbeit im Scrum-Team die Führungsrolle abzugeben und sich gleichberechtigt zu verhalten. Product Owner:in oder Scrum Master:in oder Entwickler:in. Zu keiner der Rollen gehört es, einem anderen Teammitglied zu erklären, wie etwas zu tun ist. Auf das Rollenverständnis zu achten, ist eine Scrum-Master-Aufgabe.

Ist die Führungskraft nicht Teil vom Team: Es handelt sich hier um eine:n Stakeholder:in. Es ist damit ihre Aufgabe, Bedarfe der Organisation zu formulieren und Feedback zu Arbeitsergebnissen des Teams zu geben. Sie beantwortet die Fragen „Was wünschst du dir?“ und „Was hältst du von unseren Ergebnissen?“. Das Scrum-Team beantwortet die Fragen „Wie werden wir besser?“ und „Wie erfüllen wir die Wünsche?“ (Scrum-Wert Commitment).

Ein Scrum-Master darf gern weitergehen und herausfinden, was die Führungskraft zur Einmischung motiviert und spiegeln, wie die Einmischung empfunden wird (Scrum-Werte Mut und Offenheit). Fehlt da Vertrauen oder ist es Unkenntnis der Methode Scrum? Sind die Teamgrenzen oder die Rollen nicht klar definiert?
Es wird auf jeden Fall eine positive Motivation unterstellt – auch eine übergriffige Führungskraft will wahrscheinlich etwas Gutes erreichen (Scrum-Wert Respekt).

Nicht zu empfehlen: Konfliktvermeidung. Damit ändert sich nichts, und negative Emotionen bauen sich auf. Teammitglieder können mit Vermeidungstaktiken reagieren und sich zurückziehen. Die Führungskraft könnte merken, dass Frust aufkommt, aber die Ursache nicht verstehen.
Das Werteverständnis von Scrum kann viel dazu beitragen solche Konflikte zu lösen. Allerdings kann Scrum nicht für eine Lösung garantieren - das können nur alle Konfliktparteien, wenn sie ernsthaft um eine Lösung bemüht sind.

Willst du Erfahrungen über vergleichbare Situationen teilen oder suchst du Rat zum Verhalten einer Führungskraft im Scrum-Team? Sprich mich gern an.