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Scrum vs. Firma - Teil 2

Auf der einen Seite erklären die Trainer, wie Scrum geht. Auf der anderen Seite fragen sich Projektteams in großen Organisationen, wie sie Scrum anwenden sollen, wenn die Umgebung darauf gar nicht eingestellt ist. Die Themen sind immer wieder dieselben.

Thema Nummer 2: Als Scrum-Team wollen wir sinnvolle Ergebnisse schaffen, aber die Organisation hält uns mit Berichten, Meetings und ähnlichem von der Arbeit ab.

Das kann recht pragmatisch gelöst werden. Wir sagen ja. Ja zu den Berichten, ja zu den Meetings, ja zu allem anderen. Und dann schreiben wir es ins Product Backlog, zusammen mit allem, was wir sonst zu erledigen haben, denn die Berichte und Meetings sind Teil unserer Arbeit und unsere Arbeit gehört ins Backlog.

Als Scrum Team ist es unser Auftrag, Mehrwert in der Organisation zu erzeugen. Worin der Wert liegt, definiert die Organisation selbst, nicht wir.
Wenn die Organisation sagt: „Gib mir Meetings! Gib mir Berichte! Gib mir digitales Papier!“, dann sieht sie darin Wert, ein sinnvolles Ergebnis. Es ist nicht die Aufgabe des Scrum-Teams, diese Ansicht zu ändern (Scrum Wert Respekt). Es ist unsere Aufgabe, diese Mehrfachbelastung transparent zu machen (Scrum-Wert Offenheit). Auch wenn das niemand hören möchte und wenn mit Ablehnung seitens der Organisation reagiert wird (Scrum-Wert Mut).
Auf deutsch: "Liebe Organisation, wenn du mehr Berichte und Meetings möchtest, kriegst du weniger anderes Projektergebnis, also kleinere Increments. Ist das okay? Wenn ja, fein. Wenn nicht, dann entscheide dich: Wieviel wovon?"
Daran orientiert sich das Projektteam bei der Zusammenstellung seiner Sprints (Scrum-Werte Commitment und Fokus). Das Event für solche Absprachen ist aus meiner Sicht der Sprint-Review, wo sich die Stakeholder (also die Organisation) dazu äußern können.

Und wer vertritt das nach außen? Scrum Master, wenn es sonst niemand will/kann. Besser ist es, wenn Scrum Master die Product Owner soweit unterstützen, dass sie es selbst können.

So eine Haltung wird erstmal zu Irritation führen, aber konsequent durchgehalten zwingt sie die Organisation zu einer Entscheidung darüber, was sie möchte. Meistens ist das ein Kompromiss (z.B. kleinere Berichte, kürzere Meetings oder Info-Mails statt Meetings). Soviel wie möglich sollte in den Scrum-Events abgehandelt werden: Brauchen wir neben dem Review wirklich noch andere Meetings?

Auf keinen Fall wird die zusätzliche Arbeit in Form von Berichten und Meetings „nebenbei“ erledigt. Das ist nicht nachhaltig. Noch schlimmer ist es, wenn einzelne Teammitglieder solche Arbeit nebenbei erledigen, ohne dem ganzen Team davon zu erzählen. In der Retrospective lohnt sich daher immer die Frage, wieviel Arbeit im Sprint investiert wird, die nichts mir den User Stories zu tun hat. Bevor gezielt mit Stakeholdern kommuniziert werden kann, braucht das Team eine von allen Mitgliedern getragene Grundhaltung zum Thema Berichte, Meetings und co.

Kennt ihr dieses Problem in eurem Team? Wenn ihr etwas dazu loswerden möchtet oder euch Beratung wünscht, meldet euch gern bei mir.